So eine Gemeinde wünsche ich mir:

Ich bin Rahel.

Das ist nicht mein offizieller Name. Meine Eltern wollten mir diesen Namen geben, entschieden sich dann aber doch für einen etwas profaneren. Als Kind wollte ich lieber Rahel heißen. Aber als ich damals die Bedeutung des Namens erfuhr, fand ich ihn als Kind nicht mehr so gut.

Rahel bedeutet Mutterschaf. Es ist die zweite, aber die geliebte Frau von Jakob. Das zweite geht ja noch in Ordnung, aber warum „Mutterschaf“?

Inzwischen bin ich ausgebildete und m.E, nach erfahrene Pastorin und leibliche Mutter einer wundervollen Tochter. Heute passt Rahel eindeutig besser zu mir als damals. Deshalb habe ich den Namen als „Pseudonym“ oder besser: als meinen geistlichen Namen angenommen. Ohne die Vorauswahl meiner Eltern hätte ich wohl einen ganz anderen Namen gewählt. Aber ich will mir diesen Namen zur Aufgabe machen.

Ich bin also Pastorin, an der Universität und für Freikirchen ausgebildet. Ich habe in Freikirchen und in der Evangelischen Landeskirche (mit)gearbeitet. Ich bin mit vielen verschiedenen Denominationen und Arbeitsgebieten vertraut und denke, für eine Mittfünfzigerin habe ich einiges erlebt und an Erfahrungen gesammelt. Das ist aber nur die fleischliche Seite meines Daseins. Als Pastorin ausgebildet sein kann sogar ein Ungläubiger, wenn das auch etwas schräg wäre. Aber es geht. Denn letzendlich ist es Religion, Psychologie, etwas Literaturwissenschaft und Archäologie, Sprachen, Soziologie und Pädagogik. Alles menschlich „machbar“.

Ich bin aber außerdem von Gott berufen. Das ist etwas, was man nicht studieren und nicht selbst machen kann. Und etwas, das eine Bestätigung von außen bedarf. Es hat sehr lange gedauert, bis ich diese Berufung auch tatsächlich als Berufung spürte. Bis vor kurzem noch sah ich es als Beruf. Aber das ist der fleischlich-weltliche Blick auf diesen merkwürdigen Beruf. Der geistliche Blick darauf ist etwas anders. Da muss man kein Renomée vorweisen, keine besonderen Leistungen. Im Gegenteil: wer als Pastor seine tiefe Unzulänglichkeit kennt, beginnt in allen Dingen, Jesus zu vertrauen und sich selbst nicht mehr als Pastor zu sehen – denn Hirte (=Pastor) ist nur ER – sondern als Leithammel oder Mutterschaf. Das sind die erfahrenen Schafe, die am besten und strengsten auf den Hirten hören und ihm stur folgen und damit die ganze Herde mitziehen, sie geben dadurch allen Orientierung, die keinen so guten Blick auf den Hirten haben oder sich zu leicht ablenken lassen. Manche Tiere (=Menschen) haben es auch schwerer der ganz anderen Spezies „Mensch“(=Gott) zu vertrauen und zu folgen. Deshalb ist ein Leithammel oder Mutterschaf hilfreich, um die Herde mitzuziehen.

Ich habe viele Gemeinden erlebt. Gemeinden, die schon seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten bestanden. Veränderungen waren ungern gesehen, denn alle hatten sich ja wohl eingerichtet. Und die wenigen, die gingen, weil sie nicht fanden, was sie suchten, zählten nicht für das Establishment.

Deshalb rufe ich jetzt einfach in die Welt-Weite, was ich mir wünsche an Gemeinde. Vielleicht gibt es ja jemanden, dem es auch so geht. Dann wären wie schon drei (mein Mann, du und ich): eine biblische Einheit für garantierte Jesus-Anwesenheit.

SO EINE GEMEINDE WÜNSCHE ICH MIR:

Ich suche eine Gemeinschaft mit wiedergeborenen, neuen Menschen, die aus Gottes Geist geboren sind. Vielleicht kennen sie diese Worte gar nicht oder würden sich so nicht bezeichnen, aber sie sind es weil Gottes Geist in ihnen wohnt. Ich maße mir an, zu erkennen, ob in jemandem Gottes Geist wohnt, auch wenn er das selbst nicht sehen oder sagen könnte. (Andersherum würde ich nicht urteilen wollen: über jemanden, der sich geistbegabt und als echter Christ sieht und doch hohl zu sein scheint, soll Jesus entscheiden, nicht ich.) Deshalb gilt:

Ich suche eine Gemeinde, in der JEDER und JEDE kommen kann, wie er und sie es will, mit allen Fehlern, Problemen und Sünden.

Ich suche eine Gemeinschaft, die sich darin verliert, Jesus nachzufolgen ihn zu sehen und zu tun, was er tut und will. Anstatt sich in Gesetzlichkeiten und Ethik zu verstricken. Nicht das Fleisch, sondern den Geist wollen wir nähren.

Gottesdienst soll verstanden werden als Dienst Gottes an uns, wo ER uns stärkt und auferbaut und wir ihm danken und ihn dafür loben können. Das tun wir aneinander, weil jeder und jede etwas dazu beiträgt und Jesus durch ihn oder sie spricht und sprechen kann.

Ich suche eine Gemeinde, die sich als Gemeinschaft versteht auf dem Weg zu der Neuen Welt, die Jesus schafft. Eine Gemeinde als Training zu einem gesunden Miteinander, wobei wir alle in großer Unzulänglichkeit darauf vertrauen müssen, dass Jesus uns lehrt und leitet, von dem wir zutiefst abhängig sind. Aber dabei kann man wunderbar Gnade füreinander, Geduld aneinander und Gottes Gerechtigkeit erkennen lernen. Demut lernen kann man auch, weil man durch Gottes Geist den eigenen Platz findet – durch Gottes Geist(!), nicht durch die unsensiblen Worte eines „lieben“ Bruders oder einer „lieben“ Schwester. Lehren muss man einander allenfalls, auf die Stimme Gottes zu hören, damit man dem Hirten und Lehrer selbst folgen kann und nicht auf die Hilfe anderer angewiesen bleibt. Selbständigkeit oder Mündigkeit ist erwünscht!

Meine Sicht auf Gemeinde im Sinne von ‚Gemeinschaft der Heiligen‘ (siehe Apostolisches Glaubensbekenntnis, um 400n.Chr.) werde ich unter der Rubrik „Leib Christi“ veröffentlichen.

Soweit zu mir und meinem größten Wunsch fürs erste.

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