Moral

Wie bei fast allem: Man redet immer über das, was man nicht hat?!

Wenn bei Predigten die Moral in den Vordergrund tritt, finde ich das schwierig, für mich als Zuhörer fast unerträglich. Bei einem konkreten Anlass, wo die Gemeinde direkt betroffen ist, und Orientierung gesucht wird, ist es gut, wenn einzelne moralische Probleme biblisch erarbeitet werden und präsentiert werden und vielleicht sogar eine Entscheidung des Vorstandes/Gemeindeleitung erläutert wird, wie nun vorzugehen sei. Manchmal tauchen auch immer wieder lieblose Irrlehren auf, die andere Menschen ausgrenzen oder beleidigen etc. Auch da ist Aufklärung nötig. Am liebsten ganz eng an der Bibel. Die GERADE IN ETHISCHEN FRAGEN natürlich als eine Schrift in IHRER ZEIT und ihren BILDERN zu verstehen ist. Oder findet es heute jemand verwerflich, wenn ein Mann mit langen Haaren den Gottesdienstraum betritt? (I.Kor.11,14) Man sollte moralische- ethische Fragen in den jeweiligen Gesellschaftszusammenhängen sehen. Selbst in unserer Zeit werden die US-Amerikaner einige Dinge anders beurteilen müssen als wir in Deutschland, weil die dortige Gesellschaft (insgesamt über die Christlichen Gruppierungen hinaus) andere Werte hochhält. Auch Japan und Sambia werden wohl extreme kulturelle Unterschiede aufweisen, und damit auch unterschiedliche moralische Wertungen.

Moral hängt immer von der jeweiligen Umgebung und der eigenen Prägung ab. Wenn du vom Typ her zum Saufen neigst, sollte es dir wichtig sein, dass deine Gemeinschaft Alkohol zwar nicht gleich verteufelt, aber große Vorsicht demgegenüber walten lässt. Es kann dir helfen, dem Alkohol eine FÜR DICH GESUNDE Gewichtung zu geben. Die Wertung der anderen, kann dann zu deiner Wertung werden. Aber nur wenn du dich auch angenommen fühlst in deinem Menschsein und deinem Genuss von Alkohol. Durch Jesu liebevollen und heilsamen Geist ist es ja oft so, dass man schon selbst merkt, wo im eigenen Leben eine Schieflage ist. Dann braucht man keine Verurteilung, sondern Hilfestellungen, wie man es besser machen könnte. Aber immer im EINZELFALL. Selten geht das über einzelne Seelsorgefälle hinaus.

Kann sein, dass eine ganze Reihe von Familienvätern Probleme mit ihren Pornoheften haben. Aber es wäre oft hilfreicher zu erklären, warum man sich DAMIT NICHTS GUTES TUT, als einfach gesagt zu bekommen: das darf nicht sein. Jegliche Art von „moralischen Verfehlungen“ haben meistens mit Süchten bzw. Sehnsüchten zu tun, die unerkannt oder ungestillt sind. Und manchmal sind es tiefliegende Problem aus der frühen Kindheit. Ich denke nicht, dass ein Prediger all diese Einzelprobleme, die aus „moralischen Verfehlungen“ erkennbar werden, ansprechen kann in einer Predigt.

Man kann Hinweise geben und Hilfestellungen: wenn du merkst, dass du mit Jesus schon lange nichts mehr zu tun haben wolltest, frag dich mal, ob da etwas in deinem Leben dich daran hindert. Wäre eine mögliche Frage. Wenn der Prediger schon ordentlich Geschmack gemacht hat, wie toll es ist, eine intakte Beziehung zu Jesus zu haben, dann könnte diese Frage Anlass sein, ein paar Lebensgewohnheiten zu ändern.

Wir sind mündige Bürger und auch mündige Christen. Ein paar Hinweise sollten genügen. Eine Einladung, „das“ nach dem Gottesdienst ins Gebet zu bringen, ist gute Hilfestellung. Alles Weiterreichende muss die Person selbst entscheiden können und dürfen. Wir sind alle keine Unschuldslämmer (Röm 3,10-24), aber das macht Jesus nichts aus. Er hat uns ja genau deshalb mit seinem Blut erlöst. Auch deinen „moralisch ach-so verwerflichen Bruder“, denn wenn du schon so anfängst zu denken, solltest du aufpassen, dass dich die Lieblosigkeit und der Hochmut nicht packen. Seeeehhhhr verwerfliche Sünden im Reich Gottes! 😀 😉

Was nun genau „moralische Verfehlungen“ sind, kann ich auch nicht sagen. Denn es hängt von deiner Umgebung ab. Für eine prüde Gesellschaft ist in der Gemeinde ein Rock bis zur Kniescheibe schon eine „moralische Herausforderung“. Während im Punkergottesdienst im Hamburger Rotlichtviertel so ein Rock schon ein Zeichen großer Sittsamkeit wäre, weil sonst im umgebenden Leben die untere Hälfte der Pobacken sichtbar sind. Nur ein Beispiel.

Ich rede nicht von Gesetzesübertretungen wie Mord oder Raub. Sondern von den Dingen, die eine Gemeinde selbst wertet. Kleiderordnung, sexuelle Beziehungen oder sonstige Beziehungen (abgesehen von gesetzlich Verbotenem wie Kindesmissbrauch) ist alles dem Geschmack der Umgebung geschuldet.

Es wäre auch zu fragen, was mit „moralisch korrektem“ Verhalten erreicht werden möchte in einer Gemeinde. Soll es

a) ein Zeugnis sein für die alten Beziehungen: Sieh her, Jesus hat mich verändert! ?

b) ein Vorbild sein für die „verdorbene“ Umwelt: Sieh her, so geht es doch viel besser! ?

c) ein Vermeiden sein von zu viel Ärger mit Nachbarn oder mit möglichen Verfolgern: schau, wir sind doch ganz brav, machen nichts Verbotenes oder Schlimmes, geben keinen Anstoß! ?

d) ein Regulieren der eigenen Persönlichkeit (des Alten Menschen) sein, damit der Alte Mensch nicht ständig Überhand gewinnt und den Neuen Menschen vor lauter Suchtverhalten (z.B.) in den Hintergrund drängt?

e) ein Gleichziehen aller Gemeindeglieder sein, um Schlimmeres zu vermeiden, z. B. dass alle Saft beim Abendmahl trinken, weil viele neue Gemeindeglieder aus dem Alkoholismus befreit worden sind und geschützt werden sollen.

Man kann Moral auch aus Angst vor der eigenen Unmoral hochhalten (siehe meinen ersten Satz). Man kann andere auch zu etwas drängen, was man selbst nicht einhalten kann, um sich selbst in die Tasche zu lügen. Moraline Predigten können auch mächtig nach hinten losgehen. aber gehen wir mal vom besten aus. 😀

Statt Moral zu predigen wäre es hilfreich etwas über Jesus zu sagen und zu zeigen wie er mit Menschen umgeht. Er hat KEINERLEI Berührungsängste mit den schlimmsten Dämonen-Besetzten, Erkrankten (Ansteckungsgefahr eingeschlossen) oder den damals unmoralischen Frauen wie Ehebrecherinnen, Huren etc. Zöllner und Sünder (was auch immer damit gemeint ist) eingeschlossen. (Mt 9,10). Ach, wäre es schön, wenn alle Sünder dieser Welt Platz hätten in den Gemeinden und sie herzlich willkommen wären. Das wäre ja wie bei JESUS!!!!

Halleluja!

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